Author

Uwe Deter, as appeared in Alpha1 Journal 1/2026.

Mein Alltag vor gut zehn Jahren sah so aus, dass ich nach dem Aufwachen und den ersten Atemzügen immer schon wusste, wie der Tag so ungefähr würde. Nach dem langsamen Anziehen und Waschen inhalierte ich erst mal, nahm die Tabletten und frühstückte so viel, wie eben hineinging. Langsam konnte der Tag mit meinen Aufgaben beginnen: Wäsche machen, aufräumen oder putzen, aber immer mit Pausen vor dem Fernseher. Arbeitete ich kurz mit dem Rasenmäher, benötigte ich eine Pause auf der Bank. Das war schon ziemlich anstrengend. Mittags habe ich mich meistens mit der NIV (nichtinvasive Beatmung) zum Lesen oder zum Fernsehen hingesetzt und bin oft erst mal eingeschlafen. Danach war ich ziemlich erholt und hatte wieder Kraft, den Nachmittag anzugehen.

Nachdem ich auf der Transplantationsliste stand (26.10.15), war das Handy mein ständiger Begleiter. Beim ersten Anruf aus der MHH (Medizinische Hochschule Hannover) am 1.12.25 nachts, ca. 1 Uhr, war ich schon ziemlich aufgeregt und bin gefühlt zehnmal auf die Toilette gelaufen, bis der Krankenwagen da war, um mich abzuholen und nach Hannover zu bringen. Leider passte die Lunge nicht und wir fuhren um ca. 11 Uhr wieder nach Hause. Dadurch wussten wir, wie der Ablauf wirklich ist, und ich konnte erst einmal etwas entspannter weitermachen. Es gab noch einen zweiten falschen Alarm, ehe dann der dritte Anruf am 21.04.2016 endlich zur Transplantation führte. Zu der Zeit waren meine Frau und ich in Bremen, wo kurz darauf der Alpha1-Infotag stattfinden sollte. Nachts um 1 Uhr bin ich im Trainingsanzug mit Handy und Portemonnaie in die Hotellobby gegangen – mehr brauchte ich gar nicht – und wurde mit dem Krankenwagen wieder nach Hannover gebracht.

Ohne das Spenderorgan wäre ich vielleicht nicht mehr am Leben. Deshalb gehört mein größter Respekt dem Spender und dessen Familie, die dies möglich gemacht haben.

Von den ca. 1,5 Wochen auf der Intensiv- und der IMC-Station weiß ich kaum noch etwas. Aber was ich weiß: Ich hatte keine Schmerzen, es gab ganz viel Wassereis, um den Hals zu beruhigen, und Schalke hat gewonnen. Anfangs hatte ich noch mit der Atmung Probleme und bekam deshalb für kurze Zeit die NIV-Beatmung, um die neue Lunge zu entlasten.

Ich musste lernen, meine Tabletten zu stellen, schätzungsweise 20 Sorten. Dann kam morgens meist der „Vampir“ und holte sich mein Blut – es waren einige Röhrchen, und wenn ich Pech hatte, musste ich noch zur Bronchoskopie, das war und ist immer noch nicht meins.

Sobald ich aufstehen durfte und den ersten Gehtest mit Rollator und Krankengymnast hinter mir hatte, bin ich immer meiner Frau entgegengegangen und viel draußen gelaufen. In der Reha wurde noch einmal viel erklärt und Sport gemacht, um wieder Muskeln aufzubauen. Ich empfehle, der Lunge (oder einem anderen transplantierten Organ) einen Namen zu geben, denn das Organ gehört jetzt zu einem wie ein neues Familienmitglied, und so heißt meine Lunge Erwin. Die Tabletten sollten regelmäßig möglichst zur selben Zeit eingenommen werden, damit der Spiegel immer gleichbleibt. Am Anfang muss man jede Woche zum Arzt zur Blutentnahme. Dieser Zeitraum verlängert sich, wie auch die Besuche zur Kontrolle im Transplantationszentrum.

Ohne das Spenderorgan wäre ich vielleicht nicht mehr am Leben. Deshalb gehört mein größter Respekt dem Spender und dessen Familie, die dies möglich gemacht haben. Die Entscheidung ist in so einer Situation bestimmt nicht einfach, außer man hat alles vorher geregelt und einen Organspendeausweis ausgefüllt. Ich hoffe, viele Menschen haben einen Ausweis, mit dem anderen das Leben gerettet werden kann. Ein bisschen Glück gehört auch dazu.

Wir haben mein ganz persönliches Jubiläum am 21.04.26 mit 30 guten Freunden und Familie bei einem schönen Essen und super Gesprächen gefeiert.

Share
YouTube Download list Newsletter contact