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Gabi Niethammer, so erschienen im Alpha1-Journal 1/2026.

Für eine funktionierende Atmung müssen zwei Systeme zusammenspielen: die Lunge, in der der Gasaustausch stattfindet, und die Atempumpe, die die Belüftung der Lunge ermöglicht.

In der Lunge werden Luft und Sauerstoff transportiert; der eigentliche Gasaustausch findet in den Lungenbläschen (Alveolen) statt: Sauerstoff wird aus der eingeatmeten Luft ins Blut aufgenommen und Kohlendioxid (CO2), ein Stoffwechselprodukt unseres Körpers, über die Lunge abgegeben.

Die Atempumpe benötigen wir, um überhaupt Luft in unsere Lungen zu bekommen und den Gasaustausch möglich zu machen. Zu ihr gehören das Atemzentrum, der knöcherne Brustkorb, der die Kraftübertragung ermöglicht, die Atemmuskeln am Brustkorb und das Zwerchfell.

Eine Störung kann sowohl in der Lunge (pulmonale Insuffizienz) als auch in der Atempumpe (ventilatorische Insuffizienz) auftreten.

Feststellen lässt sich eine pulmonale Insuffizienz über die Messung der Blutgase, beispielsweise am Ohrläppchen. Sind die Sauerstoffwerte bzw. der Sauerstoffpartialdruck im Blut erniedrigt und das CO2 normal, spricht das dafür, dass der Gasaustausch eingeschränkt ist. Dabei kann das CO2 normal, aber auch erniedrigt sein. Das geschieht durch erhöhte Atemfrequenz, wenn wir versuchen, die Sauerstoffaufnahme zu verbessern. Dadurch wird gleichzeitig mehr CO2 abgeatmet, sodass der CO2-Wert niedriger sein kann.

Eine ventilatorische Insuffizienz entsteht, wenn die Belüftung der Lunge nicht mehr ausreichend funktioniert und dadurch der CO2-Wert im Blut ansteigt. Ursache hierfür ist meist, dass die Atempumpe erschöpft ist und nicht mehr genügend CO2 abgeben kann. Dadurch steigt der Kohlendioxidanteil im Blut an; häufig kann zusätzlich auch die Sauerstoffversorgung beeinträchtigt sein und es kommt zu einer Überlastung der Atemmuskulatur.

Je nach Störung gibt es unterschiedliche Therapieansätze: Bei einer pulmonalen Insuffizienz, also einer Störung des Gasaustauschs, kann eine Sauerstofftherapie sinnvoll sein.

Bei einer ventilatorischen Insuffizienz, wenn also die Belüftung der Lunge betroffen ist, kann eine Maskenbeatmung – häufig nachts – eingesetzt werden. Sie unterstützt die Atmung und sorgt für eine Entlastung der Atempumpe.

Der Fokus dieses Vortrags liegt auf der Sauerstofftherapie. Dabei wird grundsätzlich zwischen zwei Formen der Hypoxämie unterschieden: Die chronisch nachweisbare Hypoxämie beschreibt einen dauerhaft erniedrigten Sauerstoffgehalt im Blut. Bei der belastungsinduzierten Hypoxämie tritt der Sauerstoffmangel dagegen nur unter körperlicher Belastung auf.

Um beurteilen zu können, ob eine Sauerstofftherapie von Nutzen sein könnte, wird zunächst die bestehende Behandlung überprüft. Erst wenn die Grunderkrankung adäquat behandelt ist, also Medikamente und Inhalation optimal abgestimmt sind, und dennoch eine Hypoxämie besteht, kann eine Sauerstofftherapie sinnvoll sein. Im weiteren Verlauf wird untersucht, ob ein chronischer oder belastungsinduzierter Sauerstoffmangel im Blut vorliegt.

Die Langzeitsauerstofftherapie (LTOT) sollte täglich mindestens 15 Stunden angewendet werden, im Idealfall auch länger. Dies wird in der Regel durch die Kombination aus einer stationären Sauerstoffversorgung zu Hause und einem mobilen Sauerstoffgerät erreicht. Ziel ist es, die Sauerstoffversorgung des Körpers sicherzustellen sowie Mobilität und Lebensqualität zu erhalten und im besten Fall sogar zu verbessern.

Entscheidungsweg zur Langzeit-Sauerstofftherapie mit Kriterien für Sauerstoffgabe bei Hypoxämie in Ruhe, unter Belastung und im Schlaf.

Eine Sauerstoffunterstützung unter körperlicher Belastung wird eingesetzt, wenn der Sauerstoffbedarf des Körpers unter Aktivität ansteigt und es dabei zu einem Sauerstoffmangel kommt, beispielsweise beim Spaziergang, im Fitnessstudio oder bei anderen Alltagsaktivitäten. Wichtig ist: Bei dieser Form der Hypoxämie besteht in Ruhe meist keine relevante Einschränkung der Sauerstoffversorgung. Ziel ist es, die Sauerstoffsättigung unter Belastung zu verbessern, gegebenenfalls die Atemnot positiv zu beeinflussen und die körperliche Leistungsfähigkeit zu steigern, was sich wiederum günstig auf Mobilität und Lebensqualität auswirken kann.

Wird nun ein Sauerstoffmangel festgestellt, muss individuell ausgetestet werden, welche Sauerstoffflussrate notwendig ist, um eine ausreichende Sauerstoffversorgung zu erreichen. Ziel ist es, einen Sauerstoffpartialdruck (PaO2) von mindestens etwa 60 mmHg zu erreichen. Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) ist dabei die Maßeinheit zur Messung des Sauerstoffpartialdrucks im Blut.

Dazu wird die Sauerstoffversorgung entweder mittels Blutgasmessung, beispielsweise am Ohrläppchen, oder über ein Pulsoximeter am Finger beurteilt. Häufig ist eine Sauerstoffsättigung von etwa 90–92 % ausreichend; die Zielwerte können jedoch individuell unterschiedlich sein und werden gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin festgelegt.

Beachtet werden muss, dass die notwendige Flussrate in Ruhe am Tag eine andere sein kann als unter körperlicher Belastung oder in der Nacht. Die Sauerstoffversorgung muss daher an die individuellen Bedürfnisse angepasst werden; auch der persönliche Bewegungsradius und die Lebenssituation spielen eine wichtige Rolle.

Veränderungen der körperlichen Voraussetzungen können sowohl eine Anpassung des Sauerstoffbedarfs als auch des Geräts notwendig machen. Wurde beispielsweise in einer akuten Situation, etwa aufgrund eines Infekts oder Krankenhausaufenthalts, vorübergehend Sauerstoff verordnet, ist es möglich, dass nach Erholung ggf. keine zusätzliche Sauerstoffversorgung mehr benötigt wird.

Es gibt zum einen die stationäre Versorgung, bei der zwischen Flüssigsauerstoff und stationären Sauerstoffkonzentratoren unterschieden wird.

Flüssigsauerstoff

  • Vorteile: Leise; stromunabhängig; auch für höhere Sauerstoffflussraten geeignet.
  • Besonderheiten: Die Versorgung erfolgt über einen stationären Tank, der regelmäßig durch den Versorger befüllt wird.

Sauerstoffkonzentratoren

  • Vorteile: Keine Sauerstofflieferung notwendig;
    meist leicht zu handhaben.
  • Besonderheiten: Geräuschentwicklung; Stromverbrauch; regelmäßige Wartung erforderlich; die maximal mögliche Sauerstoffabgabe ist geräteabhängig.

Zum anderen gibt es die Versorgung mit mobilen Geräten.

Hier wird häufig nicht in Litern pro Minute, sondern in Stufen gearbeitet, wobei z. B. Stufe 2 nicht automatisch 2 Liter bedeutet. Es ist deshalb wichtig, zu wissen, welche Gerätestufe der verordneten Sauerstoffflussrate entspricht. Hinzu kommt, dass sich die Stufen zwischen verschiedenen Herstellern unterscheiden können. Entscheidend ist daher, dass die Versorgung individuell auf das jeweilige Gerät abgestimmt und die Sauerstoffversorgung überprüft wird.

Es gibt unterschiedliche mobile Versorgungsmöglichkeiten:

  • Mobile Einheiten für Flüssigsauerstoff, die am stationären Tank befüllt werden
  • Mobile Sauerstoffkonzentratoren, beispielsweise zum Ziehen oder Tragen

Grundsätzlich sollte geprüft werden, ob eine Sauerstoffgabe im Dauerfluss notwendig ist oder ob eine atemzuggesteuerte Sauerstoffabgabe (Demandsystem) ausreicht. Durch diese Technik können Sauerstoff eingespart und die Reichweite mobiler Geräte verlängert werden.

Die Evidenz zur Sauerstofftherapie ist für verschiedene Fragen unterschiedlich ausgeprägt, sodass der individuellen Beratung und Anpassung der Versorgung eine besondere Bedeutung zukommen. In der Praxis zeigt sich, dass Betroffene nicht immer ausreichend über ihre Versorgung informiert oder im Umgang mit dem Gerät geschult werden. Dadurch fühlen sich manche Patienten im Alltag nicht gut vorbereitet und empfinden insbesondere mobile Sauerstoffgeräte eher als Belastung statt als Unterstützung.

Dabei gibt es unterschiedliche Versorgungsoptionen. Entscheidend ist eine gute Kommunikation zwischen Patienten und Behandlern, um die Anforderungen an das Gerät und die individuellen Lebensumstände möglichst gut aufeinander abzustimmen.

Bei einem direkten Studienvergleich von Dauerfluss- und Demandsystemen unter Belastung bei COPD und Hypoxämie wurden an der Schön Klinik Berchtesgadener Land ein Flüssigsauerstoffgerät im Dauerfluss, ein Flüssigsauerstoffgerät mit Demandsystem sowie ein Konzentrator mit Demandsystem untersucht. Erwartet wurde ein Unterschied zwischen den Geräten. Im Mittel zeigten sich jedoch vergleichbare Ergebnisse hinsichtlich Sauerstoffsättigung und Gehleistung. Bei einzelnen Teilnehmenden bestanden dagegen relevante Unterschiede zwischen den Geräten. Dies unterstreicht die Bedeutung des individuellen Austestens von Sauerstoffsystemen, um eine möglichst passende Versorgung zu erreichen.

Welche Aussichten gibt es zukünftig?

Bereits heute wird an automatischen Sauerstoffsystemen geforscht. Dabei misst das Gerät kontinuierlich den Sauerstoffbedarf und passt die Sauerstoffgabe an, um eine möglichst stabile Sauerstoffversorgung beziehungsweise einen definierten Zielbereich der Sauerstoffsättigung zu erreichen.

In einer Studie der Schön Klinik wurde dieses Verfahren mit einer konstanten, leitliniengerechten Sauerstoffgabe verglichen. Dabei zeigte sich unter automatischer Sauerstoffgabe eine deutliche Zunahme der Gehstrecke. Gleichzeitig mussten die Teilnehmenden den Belastungstest seltener aufgrund von Atemnot abbrechen. In der anschließenden Befragung sprach sich die Mehrheit für die automatische Sauerstoffgabe aus.

Auch wenn automatische Sauerstoffsysteme derzeit überwiegend im klinischen und wissenschaftlichen Bereich eingesetzt werden, bleibt eine individuell angepasste Sauerstoffversorgung entscheidend.

Zusammenfassend gilt: Ob, wann und in welcher Form eine Sauerstofftherapie sinnvoll ist, muss individuell beurteilt und gemeinsam mit dem behandelnden Arzt oder der behandelnden Ärztin abgestimmt werden. Ziel ist eine Versorgung, die passgenau unterstützt, wo sie gebraucht wird, und so Mobilität und Lebensqualität bestmöglich erhält oder verbessert.

Und nach all den Informationen rund um Sauerstoff, Geräte und Versorgung darf zum Abschluss vielleicht auch eines nicht fehlen: erst einmal durchatmen.

Die Pneumo-Factory hat hierzu einige kurze Videos entwickelt. Darin geht es um unsere Atmung im Alltag – darum, wie der natürliche Atem funktioniert, wie wir ihn bewusster wahrnehmen und ihn beispielsweise auch im gemeinsamen Gesang erleben und einsetzen können.

Frau schaut am Laptop ein Trainingsvideo der Pneumo Factory für Menschen mit Lungenerkrankungen.

Jetzt entdecken.

 

Hier geht es zu den Pneumo-Factory Videos:

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