„Der Nutzen der Impfungen übertrifft bei Weitem mögliche Schäden“
Impfen schützt vor Influenza, Covid und Pneumokokken und RSV- CSL-Patiententag in Mainz
Von Herbert Rude
Impfungen sind wieder einmal in die Diskussion geraten, gerade auch weil in den USA mit Robert Kennedy seit dem vergangenen Jahr ein regelrechter Impfskeptiker an der Spitze des Gesundheitsministeriums steht. „Für Menschen mit Alpha-Antitrypsinmangel überwiegt der Nutzen aber bei Weitem mögliche Schäden“, so Pneumologin Camilla Lüttecke-Hecht jetzt auf dem Mainzer Mai-Patiententag, der turnusgemäß von CSL Behring ausgerichtet wurde. Sie empfiehlt uns Alphas Impfungen gegen Influenza, Pneumokokken, Covid und RSV. „Denn alle diese Krankheiten können die Lunge schwer schädigen“, so die Ärztin.
Die Corona-Viren führten in schwereren Fällen zu Thrombosen oder Blutgerinnseln in der Lunge, die den Gasaustausch lahmlegten. RSV könne zu regelrechten Zelltrümmern in den Atemwegen führen, und Pneumokokken füllten die Alveolen mit Eiter und schädigten die Flimmerhärchen im Bronchiensystem. Die echte Grippe oder Influenza könne sogar eine so genannte Superinfektion auslösen. Dann setzten sich auch noch Bakterien auf die schon durch die Viren belasten Atemwege drauf. „Die Grippewelle 1918/19 hat mehr Tote gefordert als der gesamte 1.Weltkrieg“, sagt Lüttecke-Hecht. Schätzungen gehen von bis zu 100 Millionen Opfern aus.
Zwar könne keine Impfung die Krankheit zu 100 Prozent verhindern. Der Schutz vor Grippe liege bei 40 bis 60 Prozent, der Schutz vor Pneumokokken bei 60 bis 75 Prozent. Vor RSV und Corona sei man bei den Impfungen zu 80 bis 90 Prozent geschützt. „Die Virenlasten sind aber bei Erkrankungen viel niedriger als bei Ungeimpften, und das Immunsystem kämpft schneller gegen die Krankheit an“, sagt Lüttecke-Hecht.
Meinungen, man könne sich gegen diese Krankheiten auch so schützen, oder gerade die Impfungen führten zum Ausbruch der Infektionen, seien falsch, ergänzt sie. „Wir können keine Krankheit verimpfen“, so die Medizinerin: Das Problem sei, dass viele Impfungen im Herbst durchgeführt werden, wenn ohnehin bereits viele Erkältungsviren vorhanden seien. „Manche tragen diese Viren bereits in sich, wenn sie geimpft werden“, sagt sie. Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch, führe dann dazu, dass die Erkältung erst nach dem Impfen ausbreche und dann schnell mit einer echten Grippe verwechselt werde.
Und um den Viren auszuweichen, müsse man sich quasi 3 Monate einmauern, so die Pneumologin weiter. Übertragen würden die Viren oder Bakterien durch Tröpfchen, zum Beispiel im Gespräch, und damit sei ein Ausweichen so gut wie unmöglich Außerdem sei es ja gerade so, dass das Immunsystem immer wieder gegen Viren und Bakterien stimuliert werden müsse. „Die Folgen des Maskentragens in der Coronazeit sehen wir noch heute“, sagt sie. Das Immunsystem funktioniere, indem sich die T-Zellen im Körper sich an Erreger erinnern und die B- oder Fresszellen zum Kampf gegen die Erreger aussenden. „Eigentlich brauchen wir die Krankheit sogar, damit wir gesund bleiben“, so die Ärztin. Doch hier kämen nun die Impfungen ins Spiel.
Die Impfungen stellten den T-Zellen Baupläne oder Proteine der Viren zur Verfügung ,„ohne die Krankheit zu übertragen“, wie sie betont. Weil sie noch keine Antikörper hätten, seien deshalb die Impfungen für Kinder besonders wichtig. Andererseits werde das Immunsystem mit zunehmendem Alter immer schwächer. „Deshalb sind Impfungen nicht nur für Kinder, sondern auch für Ältere und Risikogruppen wichtig“, sagt sie.
Bei Pneumokokken und RSV seien einmalige Impfungen nach dem derzeitigen Kenntnisstand ausreichend. Gegen Influenza und auch gegen Corona seien jährliche Impfungen nötig, weil sich die Viren immer wieder veränderten.
Der nächste Mainzer Patiententag findet am 14. November statt. Er wird von Grifols ausgerichtet und sich unter anderem um die Alpha-1-Zentren drehen. Weitere Details folgen später auf der Website.