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Alpha1 Deutschland e.V.

COPD-Update 2026: Neue Erkenntnisse, die auch für Alpha-1-Patienten wichtig sind 

Die neue S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der COPD ist veröffentlicht worden und bringt einige wichtige Neuerungen mit sich, die auch für Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel von großer Bedeutung sind. Die Leitlinie wurde unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) von zahlreichen Expertinnen und Experten erarbeitet und fasst den aktuellen Stand der Forschung zusammen. Ziel ist es, die Erkrankung früher zu erkennen und besser behandeln zu können.

Ein besonderer Fokus liegt auf einer genaueren Diagnostik. Wenn der Verdacht auf COPD besteht, aber die einfache Lungenfunktionsprüfung noch unauffällig ist, soll künftig genauer hingeschaut werden. Dazu gehören weiterführende Untersuchungen der Lungenfunktion, mit denen sich Veränderungen frühzeitig erkennen lassen. Auch die Computertomografie des Brustkorbs gewinnt an Bedeutung, vor allem dann, wenn Beschwerden und Untersuchungsergebnisse nicht gut zusammenpassen oder es häufiger zu Verschlechterungen kommt.

Für Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist besonders wichtig, dass diese Erkrankung in der neuen Leitlinie erstmals ein eigenes Kapitel bekommen hat. Es wird nun klar empfohlen, dass alle Menschen mit COPD einmal im Leben auf einen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel getestet werden sollten. Der Grund dafür ist, dass diese Ursache häufig unerkannt bleibt, obwohl sie gezielt behandelt werden kann. Auch einfache Blutuntersuchungen, die zusätzliche Hinweise auf Entzündungen geben können, werden stärker berücksichtigt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Umgang mit sogenannten Exazerbationen, also akuten Verschlechterungen der Erkrankung. Die Leitlinie macht deutlich, dass jede Verschlechterung ernst genommen werden sollte, auch wenn sie zunächst mild erscheint. Eine frühzeitige Anpassung der Behandlung kann helfen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen.

Neben Medikamenten spielen auch andere Maßnahmen eine große Rolle. Dazu gehören vor allem ein konsequenter Rauchstopp, regelmäßige Bewegung und Rehabilitation sowie empfohlene Impfungen, zum Beispiel gegen Grippe, Pneumokokken oder RSV. Außerdem wird darauf hingewiesen, dass COPD auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht, weshalb dieses Risiko mitbeachtet werden sollte.

Insgesamt zeigt die neue Leitlinie, dass eine frühzeitige Diagnose und eine umfassende Behandlung entscheidend sind. Besonders für Menschen mit Alpha-1-Antitrypsin-Mangel bietet sie wichtige Hinweise, um die Erkrankung besser zu erkennen und gezielter zu behandeln.

Weitere Informationen finden Sie in der S2k-Leitlinie „Fachärztliche Diagnostik und Therapie der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) 2026“, die über die AWMF abrufbar ist.

Nachzulesen auch in der Pressemitteilung des DGP.

Zur Leitlinie

Leitlinien und eine gute medizinische Behandlung bilden eine wichtige Grundlage im Umgang mit der Erkrankung. Doch ebenso entscheidend ist, was Betroffene selbst unternehmen können. Dabei geht es heute nicht um klassische Selbsthilfegruppen, sondern um ein neues Schulungsinstrument, das Patientinnen und Patienten dabei unterstützt, akute Verschlechterungen der COPD frühzeitig zu erkennen:

Akute COPD-Verschlechterungen früher erkennen: Wie ein einfaches Schulungsinstrument (namens CERT) Ihnen dabei helfen kann

Autor: Dr. Rainer Gloeckl, Forschungsinstitut für Pneumologische Rehabilitation, Schön Klinik Berchtesgadener Land, Schönau am Königssee

Viele Menschen mit Alpha-1-Mangel kennen die Sorge vor einer plötzlichen Verschlechterung, der sogenannten Exazerbation. Doch häufig wird erst reagiert, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Eine neue Studie zeigt nun: Mit dem richtigen Werkzeug, dem CERT-Fragebogen, können Sie diese Krisen bereits erkennen, bevor sie voll zuschlagen.

Wenn die Luft plötzlich wegbleibt: Viele melden sich nicht oder zu spät beim Arzt 

Eine Exazerbation ist für Ihre Lunge eine akute Krise. Die Atemnot nimmt zu, der Husten wird quälender und Ihre Leistungsfähigkeit sinkt rapide. Das Hauptproblem ist jedoch nicht nur das Ereignis selbst, sondern auch der Zeitpunkt, an dem medizinische Hilfe in Anspruch genommen wird.

Vielleicht kennen Sie das auch: Man neigt dazu, erste Anzeichen zu bagatellisieren. „Heute ist halt ein schlechter Tag“ oder „Das liegt sicher nur am Wetter“. Untersuchungen zeigen, dass mehr als die Hälfte aller akuten Verschlechterungen von Menschen mit COPD gar nicht an den behandelnden Arzt gemeldet werden. Doch wenn Sie zu lange warten, riskieren Sie viel. Jede schwere Exazerbation kann Ihre Lungenfunktion dauerhaft schädigen und die Zeit, die Sie zur Erholung brauchen, massiv verlängern. Je früher mit einer medikamentösen Behandlung begonnen wird, desto glimpflicher verläuft die Krise in der Regel.

Was genau ist das CERT? 

Um Ihnen dabei zu helfen, Veränderungen an Ihrem Körper objektiver wahrzunehmen, wurde der CERT entwickelt (das ist eine Abkürzung aus dem Englischen und steht für COPD Exacerbation Recognition Tool) (Abbildung 1). Es ist ein einfaches, praxisnahes Schulungsinstrument, das speziell dafür entwickelt wurde, das Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Arzt zu verbessern.

CERT (COPD Exacerbation Recognition Tool)

Wenn Sie mindestens 2 Punkte in Rot ausgewählt haben, liegt bei Ihnen wahrscheinlich eine Verschlimmerung Ihrer COPD vor, und Sie sollten Ihren Arzt aufsuchen. 

Abbildung 1. Das CERT-Schulungsinstrument

Anstatt auf komplizierte medizinische Tests, setzt der CERT genau dort an, wo es zählt: bei dem, was Sie selbst spüren. Der CERT hilft Ihnen, sich gezielte Fragen zur Verschlechterung Ihrer Symptome zu stellen. Entscheidend ist, dass Sie die Beschreibung auswählen, die heute im Vergleich zu Ihrer normalen Situation zutrifft. Und zwar in Bezug auf folgende 5 Symptome:

  1. Sich verschlimmernder Husten
  2. Vermehrter Auswurf
  3. Kurzatmigkeit
  4. Erschwerte Atmung
  5. Eingeschränkte körperliche Aktivität

Wann sollte ich den CERT ausfüllen und was bedeutet mein Ergebnis?

Den CERT sollten Sie dann ausfüllen, wenn Sie glauben, dass sich Ihre Symptome verschlechtert haben. Wenn sich mindestens zwei der fünf aufgeführten Symptome „mäßig“ oder „schwer“, also „im roten Bereich“, verschlechtert haben, liegt bei Ihnen wahrscheinlich eine akute Verschlechterung ihrer COPD vor und Sie sollten einen Arzt aufsuchen. Wenn Sie sich deutlich schlechter als gewöhnlich fühlen, sich aber nur eines oder keines der Symptome „mäßig“ oder „schwer“ verschlechtert hat, sollten Sie sich trotzdem an einen Arzt wenden.

Neue Studie zeigt: Gewinnen Sie einen Tag Vorsprung mit dem CERT

Warum ist dieses einfache Schulungsinstrument für Sie so wertvoll? Eine aktuelle Studie (Gloeckl et al., 2025) konnte die Effizienz des CERT eindrucksvoll belegen. Mit dem CERT konnten Anzeichen einer Verschlechterung im Durchschnitt bereits einen vollen Tag vor der klinischen Diagnose durch einen Arzt erkannt werden. Dieser gewonnene Tag ist für Sie entscheidend. Er kann darüber entscheiden, ob eine kleine Anpassung Ihrer Medikamente zu Hause ausreicht oder ob Sie ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen.

Wo finden Sie den CERT?

Das CERT ist weltweit anerkannt und für Sie leicht zugänglich.

 

Quellen:

  • Gloeckl R, Jones PW, Kroll D, Jarosch I, Schneeberger T, Claussen J, Schmidt P, Vogelmeier CF, Kenn K, Koczulla AR. Can Patient Education Lead the Way? Head-To-Head Comparison of EXACT and CERT for Early Recognition of Acute COPD Exacerbations. Respirology. 2025 Nov 30. doi: 10.1002/resp.70170. Online ahead of print
  • Gloeckl R, Tal-Singer R, Deussen P, Winwood R, Mohan T, Turner M, Hamouda M, Moore M, Jones P. CERT (COPD Exacerbation Recognition Tool): Translation, cross-cultural and linguistic validation. COPD. 2026 in press

Aus der Forschung: Neues zu COPD

Aller guten Dinge sind drei, daher haben wir noch etwas aus der Forschung zu COPD, über das wir berichten möchten: Forschende der Philipps-Universität Marburg haben herausgefunden, warum sich die chronische Lungenerkrankung COPD bei einer Grippe-Infektion oft plötzlich stark verschlechtert. Im Mittelpunkt steht ein Botenstoff mit dem Namen CXCL11, der während der Infektion vermehrt gebildet wird und die Atemwege aus dem Gleichgewicht bringt.

Das Spannende daran: CXCL11 sorgt dafür, dass vermehrt zäher Schleim entsteht und gleichzeitig die natürliche Abwehr gegen Viren geschwächt wird. Genau diese Kombination kann erklären, warum es bei COPD so häufig zu einer sogenannten „Abwärtsspirale“ kommt. Eine Infektion führt zu mehr Schleim, der die Atemwege zusätzlich verengt. Dadurch wird das Abhusten erschwert, Krankheitserreger bleiben länger in der Lunge und lösen weitere Entzündungen aus – die Beschwerden nehmen immer weiter zu.

Die Erkenntnisse der Forschungsgruppe um Prof. Mareike Lehmann und Prof. Bernd Schmeck, veröffentlicht im Fachjournal Thorax, sind deshalb so wichtig, weil sie einen neuen Ansatz für zukünftige Behandlungen liefern könnten. Wenn es gelingt, diesen Mechanismus gezielt zu beeinflussen, könnte man solche Verschlechterungen möglicherweise frühzeitig bremsen oder sogar verhindern.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: Ein besseres Verständnis der Erkrankung bringt die Forschung einen Schritt näher an neue Therapien, die helfen könnten, akute Verschlechterungen zu vermeiden und die Lebensqualität langfristig zu verbessern.

Zur Meldung

Kurz notiert: Weitere interessante Informationen 

Passend zum Thema des Newsletters möchten wir an die Webinar-Reihe zu Themen rund um die COPD erinnern. Das nächste Webinar „Immer dieser Auswurf – Welche Rolle spielt Auswurf (oder Schleim?) in den Atemwegen und wie kann ich damit umgehen?“ findet am 29.04.2026 um 17:00 Uhr mit Dr. Pontus Mertsch, LMU Klinikum der Ludwig Maximilians-Universität München, statt.

Und am 24.06.2026 um 17:00 Uhr dann „COPD sicher im Griff: Warnsignale erkennen, aktiv bleiben“. Vorgetragen von Dr. Rainer Glöckl, Schön Klinik Berchtesgadener Land. Es geht um das Thema, das oben im Newsletter bereits angesprochen wurde: „Wie Sie mit dem CERT-Fragebogen Krisen frühzeitig abfangen und durch gezieltes Training wieder mehr Puste für den Alltag gewinnen.“

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